| Netzwerk-Initiative "Spirituelle Krisen und Transformation" | |
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Leseprobe aus Kap. 22 des Buches: Statt Gizeh kam die dunkle Nacht Eine Reise ins Innerste 144 Seiten, Fr. 24.80/Euro 19,80 ISBN 978-3-906786-41-4 Lokwort-Verlag, Bern, 2011 von Eveline Blum |
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Irgendwie muss diese Krise Sinn machen, ich muss sie
als Teil einer Entwicklung sehen, sage ich zu Dr. Fink. Er pflichtet mir bei,
eine Depression könne auch eine notwendige Pause sein, eine Erholungspause für die
Seele. Ich meine aber noch etwas anderes, sage ich, geschieht nicht
möglicherweise so etwas wie Transformation, das heisst man geht durch diesen
dunklen Tunnel, um am Ende als eine andere herauszukommen – transformiert und
geläutert? Das sei schon möglich, sagt Fink, aber grundsätzlich gehe es in der Therapie
gegen Depression darum, sich zu erinnern, wie man vor der Depression funktioniert
habe. Und dann gelte es, diese Verhaltensweisen wieder aufzunehmen. Daher steht am Ende dieser Reinigung die Einsicht, dass wir jedem Menschen gleich sind, ja, vielleicht, dass wir jedem Lebewesen gleich sind. Hier verglüht jede Überheblichkeit. Das bedeutet in der Praxis, dass wir jeden Menschen, über den wir uns erhoben haben, so voll in unser Herz und in unsere Seele nehmen, bis wir diese Gleichheit spüren. Und dass wir jeden, dem wir einmal böse waren, so in das Herz und in die Seele nehmen, bis er uns gleich geworden ist und wir ihm. Erst wenn diese Gleichheit erreicht ist, tragen uns die Bewegungen der Seele dorthin, wo unser Platz ist und unsere Berufung. Überheblichkeit ablegen, mich weder über noch unter andere stellen, aufhören mit Moralisieren, meinen Platz und meine Berufung finden: das geht mich etwas an. Es weist in dieselbe Richtung, die ich mit meinem Fragen nach Transformation und Läuterung anpeilte. Seelische Entwicklung ist hier auf eine Weise angesprochen, die meiner Auffassung von „innerem Weg“ entspricht. Die dunkle Nacht gehört in dieser Sichtweise dazu, sie ist Teil der Entwicklung der Seele, die darauf aus ist, sich zu reinigen und zu läutern. Es geht hier nicht darum, möglichst wieder so zu werden wie vor der Krise, sondern darum, als neuer Mensch seinen wahren Platz im Leben zu finden. Hingabe oder Ich-Auflösung, so wie es mir im I Ging angekündigt worden war, lässt sich nicht erzwingen. Ich strebte diesen Schritt auf eine Weise an, die ich heute als spirituellen Ehrgeiz erkenne. Doch zu Gott kann man nicht hingehen, man kann nur in ihn oder sie hineinfallen, und dieses Fallen geschieht, wenn „es“ soweit ist, jenseits von Wollen oder Streben. Das Ich wird dabei nicht aufgelöst, sondern aufgehoben. **** Das Buch ist eine Fürschrift für ein authentisches und autonomes
Bewusstsein, ein Plädoyer für das Recht auf einen eigenen Umgang mit der so
genannten Depression. Sich nicht vereinnahmen zu lassen von medizinischen
Diagnosen und Prognosen, sondern eine eigene Sichtweise und Sprache zu finden
für das Geschehen in der dunklen Nacht
der Seele ist ein wesentlicher Teil des Heilprozesses, der – sofern der Weg
zu Ende gegangen wird – zu einer tieferen Integration der Seele und auf eine
neue Ebene des Seins führt. Diese Erfahrung ist besonders, aber weder eine
Auszeichnung noch eine Schande. Es geht in der dunklen Nacht im Kern um eine neue Beziehung zum Leben, die nicht
nur von Schönheit, Wachstum und Erfolg ausgeht, sondern auch das Scheitern, das
Hässliche, den eigenen Schatten mit einbezieht. | |