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Erleuchtung
von Joachim Busse |
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Wenn
es einen Ort geben würde, an dem der
Geist nicht ist, dann wäre er nicht grenzenlos. Der Geist ist also
auch eben
hier und eben jetzt in unserem Bewusstsein vollkommen gegenwärtig.
Das heißt:
unser augenblicklicher Bewusstseinszustand, wie er gerade ist und ohne
dass wir
irgend etwas daran ändern müssten, ist in seiner Gesamtheit
vollkommen vom Geist
durchdrungen. Es
ist nun aber nicht so, dass der Geist zwar gegenwärtig ist, wir
jedoch
erleuchtet sein müssten, um ihn sehen zu können. Es ist nicht
so, dass wir zwar
eins sind mit dem Geist, es aber noch nicht wissen. Das würde ja
bedeuten, dass
es doch noch einen Ort gibt, wo der Geist nicht ist. Nein,
wir sind schon jetzt – schon immer – eins mit dem Geist und uns dessen
auch
bewusst. Wir schauen in jedem Augenblick mit dem Geist den Geist an.
Einen Ort,
wo der Geist nicht ist, gibt es nicht. Es
gibt auch keine Zeit, in der der Geist nicht wäre – der Geist ist
ohne Anfang
und Ende. Hätte er einen Anfang in der Zeit, dann wäre er
nicht zeitlos und
ewig. Daraus können wir schließen, dass wir Erleuchtung
nicht erlangen können,
sonst hätte dieser Bewusstseinszustand ja einen Anfang in der Zeit
und wäre
nicht wahre Erleuchtung. Meditation,
die sich darum bemüht, das Erkennen, das Gewahrsein zu
ändern, ist demnach
ebenso unnötig wie gegenstandslos. Der Geist ist voll und ganz
präsent in dem
Bewusstseinszustand, den wir jetzt gerade haben und nichts muss daran
geändert
werden. Der Versuch, Bewusstheit zu erlangen ist völlig sinnlos.
Auf die
Aussage: "Aber ich sehe den Geist immer noch nicht!" kann man nur
antworten: "Du bist dir dessen bewusst, dass du den Geist nicht siehst,
und
eben diese Bewusstheit ist der Geist." Deshalb
ist die grundlegende Bewusstheit nicht etwa schwer zu finden, sondern
ganz im
Gegenteil, es ist unmöglich, ihr zu entkommen. Es gibt nur das
Sein, es gibt
nur Gott. Meditation
ist aber auch durchaus wertvoll und wichtig, wenn es dabei um eine
positive
Geistesverfassung geht, wie Konzentration, Achtsamkeit und Einsicht zu
entwickeln, und nicht um Erleuchtung zu erlangen – denn Erleuchtung,
die
erlangt werden kann, ist nicht Erleuchtung. Wenn
das Wiedererkennen des Geistes stattgefunden hat, dann wird es durch
Meditation
gefestigt und in alle Aspekte des Lebens eingearbeitet. Und das ist der
eigentlich schwierige Teil. Das „Wahre Gesicht“ erkennen ist leicht, es
zu
leben ist schwer. Zum
Schluß ein Zitat von Ramana Maharshi: "Die
Menschen wollen die nackte und einfache Wahrheit nicht begreifen, die
Wahrheit
ihres alltäglichen, stets gegenwärtigen und ewigen
Gewahrseins. Das ist die
Wahrheit des Selbst. Ist da auch nur einer ohne Gewahrsein des Selbst?
Aber sie
wollen das nicht einmal hören, sind vielmehr ganz begierig zu
wissen, was
jenseits liegt – Himmel und Hölle und Reinkarnation. Weil sie das
geheimnisvoll
Verborgene und nicht die offen daliegende Wahrheit lieben, gibt die
Religion
ihnen nach – um sie am Ende doch zum Selbst zu führen. Soviel du
auch wandern
magst, du musst schließlich doch zum Selbst zurückkehren,
warum also nicht hier
und jetzt im Selbst verweilen?" (Zu
diesem Text hat mich der Passus über die Dzogchen Praxis
im tibetischen Buddhismus in Ken Wilber: „Mut und Gnade“, 1996, S. 403
– 407
inspiriert) |
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